Portraits & Interviews

Interview mit dem Holzkunsthandwerker Tobias Dübler

Porträt Tobias

> Sie arbeiten mit Holz und stellen wunderbare Dinge her. Haben Sie eine Ausbildung als Schreiner?

Ja, ich habe in der DDR-Möbelindustrie Facharbeiter für Holztechnik gelernt. Die Ausbildung ist vergleichbar einer Tischlerausbildung.

> Mit welchem Holz arbeiten Sie gern?

Das kann ich gar nicht explizit sagen. Die Hölzer sind sehr verschieden und jedes findet aufgrund seiner technischen Eigenschaften auch seinen Einsatzbereich. Dann gibt es noch den ästhetischen Aspekt – Farbe und Struktur – der ebenfalls berücksichtigt werden will. Natürlich habe ich auch Favoriten, doch das ändert sich auch immer mal wieder – plötzlich entdecke ich die Schönheit der Eiche, die ich jahrelang nicht mochte. Für Möbel sind Esche und Eiche gerade sehr geschätze Hölzer. Bei Knöpfen steht Robinie gerade hoch im Kurs. Grundsätzlich verwende ich einheimische Hölzer.

> Sie fertigen nützliche Dinge für Textilschaffende, unter anderem Stickrahmen. Entstehen diese Dinge in Zusammenarbeit mit Ihrer Frau?

Ihre Vermutung ist richtig. Meine Frau hat vor Ihrer Erblindung als Schneiderin gearbeitet und eine Handstickereiausbildung begonnen. Aus den daraus entstehenden Bedürfnissen sind einige Produkte entstanden. Dann sind da plötzlich Kontakte zu anderen Textilschaffenden, die weitere Vorlagen, Ideen und Anregungen liefern. Kundinnen kommen mit ihren Wünschen und Vorstellungen. Naja, und mir fällt glücklicherweise auch immer noch etwas ein.

> Die Strickgabeln sind mir ganz neu. Wie arbeitet man damit?

„Die Strickgabel ist eine Vorrichtung zum Produzieren von Schnüren
auf der Grundlage eines Zweimaschensystems. (Eine aufwendigere
Variante mit vier und mehr Maschen stellt die
„Strickliesel“ dar.) Schon vor Jahrhunderten wurden nach diesem
Grundprinzip schnell und unkompliziert reißfeste Stricke hergestellt.
Als Werkzeug dienten die Finger oder eine Astgabel, wobei
letztere zwischendurch eine Unterbrechung der Arbeit erlaubte.“ Das Zitat stammt aus einer Veröffentlichung der Trachtenforschungs- und -beratungsstelle
des Bezirks Mittelfranken. Besser kann ich es auch nicht sagen.

> Was ist ein DIZ-Werkzeug?

Das DIZ ist nichts weiter als eine Scheibe mit Loch oder mit mehreren Löchern verschiederner Durchmesser. Soweit ich weiß stammt die Bezeichnung aus Neuseeland.
Sie dient zum Formen eines Wollstranges direkt nach dem Tischkamm, auch lassen sich verschiedene Wollfarben in einen gemeinsamen Strang mischen. Anschließend wir der Strang versponnen oder anderweitig verarbeitet.

> Sie fertigen auch formschöne Holzknöpfe, Sitzbretter, Schneidbretter, Untersetzer etc. etc. Was inspiriert Sie zu immer neuen Produkten?

Ich denke, die meisten Menschen, die kreativ mit ihren Händen arbeiten, werden mir beipflichen: Ich fange an, sammle Erfahrungen, ändere ab, probiere anders, die Gedanken kreisen ums Tun und schon läuft die „Maschine“. Ich bin auf die Dinge fokussiert und dann entstehen die Ideen im Kopf, Inspiration kommt aus dem Material und von Außen – es reißt nie ab.

> Was haben Sie sich für die nächste Zukunft vorgenommen?

Ich möchte gern mal eine kleine Serie schöner Briefkästen aus geeignetem Holz machen, natürlich wettertauglich durch eine holzschützende Konstruktion. Sind sie schon mal über Land gefahren und haben sich sich dabei die Briefkästen angeschaut?
Weiterhin möchte ich mal eine Bienenbeute bauen, die eher als Skulptur wirkt, denn als Bienenbehausung