Portraits & Interviews

Interview mit der Künstlerin Hélène Rigny

Portrai

Würden Sie ihre Ausbildung und ihre künstlerische Laufbahn beschreiben?

Nach Teilnahme am Szenografie-Lehrgang in der l’Ecole Supérieure des Arts Décoratifs in Straßburg habe ich 2005 mein Diplom an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin gemacht. Meine Abschlussarbeit bestand aus einer Szenografie und Kostümen zu dem Stück Quartett von Heiner Müller. Inspiriert  vor allem von den Arbeiten der Fotografin Candida Hoffer.
Nach mehreren Gemeinschafts- und Einzelausstellungen in Frankreich und Berlin, darunter bei der TEXTILE ART BERLIN, der Berlin Art Week, dem Salon René Clément Bayer habe ich jetzt eine Residence in der Galerie Made in Town in Paris, und damit Raum für einen neuen Blick auf meine Arbeit. Es wird auch Gäste zu den Themen Typografie, Kartografie und Kalligrafie geben.

Welches sind Ihre bevorzugten künstlerischen Ausdrucksformen? Fotografie, Kalligrafie, Textil ….
Ich versuche, mich nicht exklusiv auf eine Kunstform zu beschränken und setze daher bei jedem neuen Projekt, jedem neuen Gestaltungsbedürfnis, pluridisziplinäre Ausdrucksformen ein. Analogfotografie steht dabei im Vordergrund. In der Dunkelkammer können neue Ideen und Erzählungen rund um die Bilder wachsen, die bei jedem neuen Abzug vertieft und bei denen alle Nuancen entdeckt werden.

Was möchten Sie künstlerisch erreichen, wohin führt Sie der Weg?

In den kommenden Monaten möchte ich den Abzug großer Formate in der Dunkelkammer verfeinern und beherrschen.
In diesem Zusammenhang möchte ich für künftige fotografische Aufnahmen weiter Entdeckungen in städtischen Randgebieten machen.

Mit welchen Formen möchten Sie künftig arbeiten, was wollen Sie ausprobieren?

Die künstlerische Fotografie und deren ursprüngliche Verfahren eröffnen Ausdrucksformen, die mich sehr interessieren und die technisch auf Textil, in der Malerei, in Zeichnungen … umgesetzt werden können. Alle fotosensiblen Phänomene, alles, was mit dem Träger zu tun hat, das sind alles Dinge, mit denen ich künftig experimentieren könnte.

Können Sie Ihren künstlerischen Schaffensprozess am Beispiel eines bestimmten Werkes beschreiben?

Das ist mir so gut wie unmöglich, zum Glück.
Spontaneität kombiniert mit der Kenntnis der Technik, des Gestus, des Werkzeugs. Zuviel Nachdenken, zu viel Forschung, zu viel Erkenntnis ist von Übel, denke ich.
Ich bekleide Tänzer, die sich in an marginalisierten Orten bewegen und mache davon Fotos.
Kurz gesagt, ich setze improvisierte Ausdrucksformen im städtischen Raum in Szene. Der emotionale Kontakt und Ausdruck, den ich mit einem Modell teile, führen zu schönen Überlegungen.

Die Schwere des Körpers kommt in verschiedenen Werken zu Ausdruck, das werde ich weiterentwickeln.
Der Schaffensprozess ist nicht leicht zu erklären. Die Ideen sind da, im Labyrinth des Kopfs. Von Zeit zu Zeit findet eine der Ideen den Ariadne-Faden und damit den Weg zum Ausgang.
(Auszug aus der Ausstellung „Double je“, die ich aktuell im Palais de Tokyo in Paris zeige.)