Portraits & Interviews

Interview mit der Textilkünstlerin Rita Zepf im Rahmen ihrer Ausstellung „Der lange Faden der Erinnerung“

Rita Zepf

In den Räumen der Raumzeitwerker Kim und Herwart Pretzer zeigt Rita Zepf eine kleine, feine Ausstellung ihrer Werke. Regelmäßig reicht sie eine ihre Arbeiten für den Sampler der TEXTILE ART BERLIN ein, da hatte mir schon eine kleine zarte Arbeit mit hängenden Fäden ausnehmend gut gefallen. In dieser Ausstellung sind zahlreiche Werke in diesem Stil zu sehen.

Ich frage sie, wie es zu ihrer Ausstellung in den Räumen der Raumzeitwerker gekommen ist. Die Idee, die Ausstellung dort zu machen, sei entstanden, da sie dort zur Heil-Eurythmie gehe, erzählt sie.

Die Bilder auf der einen Seite der Wand hätten zu tun mit einer langen Phase der Erinnerung. Sie habe sie gemacht, da sie in Russland aufgewachsen sei. Ihr Vater sei Kernphysiker gewesen und habe in Dubna am Kernforschungszentrum gearbeitet. Als er plötzlich gestorben sei, musste die Familie zurück nach Deutschland. Sie sei damals 13 Jahre alt gewesen. Sie hatte die Idee, die Fotos aus dieser Zeit in Stoff umzusetzen und im Haus der Wissenschaftler, in dem ihr Vater gearbeitet habe, eine Ausstellung zu machen. Das sei 2015 mit Hilfe eines ehemaligen Arbeitskollegen ihres Vaters gelungen.

Diese Erinnerungsarbeiten seien eine Weiterentwicklung von ihren anderen Arbeiten, bei denen es immer nur um ein Motiv gehe. Bei den Erinnerungsbildern sei es immer ein ganzes Bild. Das sei anfangs ein wenig schwierig gewesen, sie sei mit dem Ergebnis aber ganz zufrieden.

Ich frage sie, woher die Idee für den besonderen Stil stamme. Das freie Maschinensticken habe sie in den 80er Jahren in Russland erstmals gesehen. Da habe ein Mann mit einer Tretnähmaschine frei genäht. Mit dieser Technik klarzukommen, habe ein paar Jahre gedauert und allerhand Mühe gekostet. Dann habe sie einmal einen Auftrag von einer Journalistin bekommen, die etwas in der Größe von 1 Meter mal 2 Meter haben wollte.

„Da habe ich gedacht, oh Gott, was soll ich machen, dass es ihr auch gefällt? Dann kam ich auf die Idee, ihre Texte zu nehmen. Ich habe einen großen Wandbehang nur mit Textauszügen aus ihren Texten gemacht. Ich fand das toll, weil das freie Nähen auf einmal in eine Form gekommen ist. … Da ich ein praktischer Typ bin und man beim Maschinenähen den Unterfaden immer über den Stoff hochholen muss, damit er hinten nicht verheddert, habe ich das so stehen lassen. … Nur am Ende habe ich den Faden abgeschnitten. Und dann irgendwann habe ich gedacht, jetzt lasse ich die Fäden auch noch hängen.“

„Ich liebe das Einfache. Was ich mache, kann man mit jeder einfachen Nähmaschine machen.“

Ihre Arbeiten seien alle nach Fotos gearbeitet. Sie nähe auf das farbig ausgedruckte Papier und schneide dann gezielt einzelne Teile des Fotos weg. Die Motive seien grafisch reduziert. Sie nähe zum Beispiel auf Damast, da man darauf auch noch viel entdecken könne.

Ich frage sie, ob sie Arbeiten verkaufen könne. Sie sagte mir: „Textil hat es schwer. Dadurch, dass es grafisch wirkt, wird es besser angenommen.“ Sie sei vom tim Augsburg eingeladen worden, am Textilmarkt teilzunehmen. Die Besucher seien begeistert gewesen und sie habe einiges verkaufen können.

Ich frage sie, in welche Richtung sie weitergehen wolle. Sie sagt mir, es arbeite etwas in ihr, sie wisse noch nicht genau, wohin es führe. Das Lutherjahr biete gute Ansatzpunkte, sie finde z.B. Luthers Frau Katherina von Bora sehr interessant.

Rita Zepf weist mich auf ihre Spezialschule für Textilgestaltung hin, die eine Weiterbildung für KünstlerInnnen und Laien anbietet. Die Grundlagen der wichtigsten textilen Handwerkstechniken werden erarbeitet. InteressentInnen können sich unter bewerben. In einer unabhängigen Veranstaltung im Sommer werde außerdem eine Druckwerkstatt angeboten. 2017 werden bei der TEXTILE ART BERLIN wie schon im vergangenen Jahr die Arbeiten ausgestellt, die in dieser Spezialschule für Textilgestaltung entstehen.

Vom 3. März bis 10. Juni 2017 zeigt Rita Zepf eine Ausstellung mit dem Titel „Der lange Faden der Erinnerung“ im Mola-Forum Bremen. Dort wird sie auch einen 2-Tages-Kurs anbieten.

Der lange Faden der Erinnerung
Ausstellung der Textilkünstlerin Rita Zepf
bei: Raumzeitwerker.de
Dieffenbachstraße 5
10967 Berlin- Kreuzberg
Besichtigung nach Vereinbarung unter Tel.: 030 42010018
Die Ausstellung ist das ganze Jahr über zu sehen.