Portraits & Interviews

Interview mit Monika Schiwy-Jessen

Monika-Schiwy-Portrait

Monika Schiwy-Jessen hat auf der TEXTILE ART BERLIN 2017 eine viel beachtete Ausstellung gezeigt und einen Workshop über „Boro-Mending“ gegeben. Es hat mich freut, dass sie bereit war, für das Textile Art Magazine ein Interview zu geben.

Wann hast Du Deine Leidenschaft fürs Textile entdeckt?

Oh, ich denke, das war recht früh – meine Großmutter hatte einen kleinen Strickladen, meine Mutter hat für Bogner und auch unsere Kinderkleider selbst genäht, da habe ich das wohl schon in den Genen mitbekommen.
Der eigentlich Start zur Textilkunst war aber dann erst während eines einjährigen USA-Aufenthalts mit meinem Mann und Kind. Vor unserer Reise dorthin waren wir bei einem Arbeitskollegen meines Mannes eingeladen, der gerade von einem beruflichen Aufenthalt in den USA zurück gekommen war, und seine Frau hatte dort die Patchworktechnik  und das Quilten erlernt.
Da habe ich gleich gedacht, das werde ich auch machen, wenn ich dort bin. Als wir dann in den USA, in New Jersey angekommen waren, habe ich mich sehr schnell darum gekümmert und einen Kurs nach dem anderen in einem kleinen Lädchen in einer Nachbarstadt besucht. Da war der Virus ausgebrochen.

Hast Du eine textile Ausbildung?

Nein, ich habe Arzthelferin bei einem Kinderarzt gelernt. Ich habe aber zahlreiche Workshops von anderen Textilkünstlerinnen besucht und so meine handwerkliche Ausbildung erlernt.

Du hast mit Patchwork und Quilten angefangen, was hat Dich daran begeistert?

Die Arbeit ist sehr meditativ und befriedigend – außerdem ist es wunderbar, schöne Dinge zu fertigen, z.T. aus Altem etwas Neues zu kreieren.

Du hattest einige Jahre einen Patchwork-Laden in Freiburg und hast dort auch eine Galerie eröffnet. Erzähle uns doch von dieser Zeit.

Als ich aus USA zurück kam, gab es hier in Freiburg kein Geschäft für die speziellen Stoffe und das Zubehör, da habe ich in unserer Wohnung damals (1994) angefangen, mit ca. 30 Stoffballen ein kleines Geschäft zu betreiben. Nebenbei habe ich noch ein halbes Jahr in einer Firma für medizinische Diagnosegeräte als Sachbearbeiterin für den Verkaufsleiter gearbeitet.
Nach dem halben Jahr habe ich gemerkt, dass ich nicht beides zur Zufriedenheit ausfüllen kann und habe dann meine Arbeit in der Firma aufgegeben, um mich ganz dem Geschäft zu widmen.
Nach und nach habe ich den Bestand der Waren erweitert und nach vier Jahren bin ich dann in ein richtiges Ladengeschäft umgezogen – immer habe ich überlegt, was ich tun kann, um den Laden voran zu bringen und auch etwas für die Textilkunst zu tun. Ich hatte mir dann überlegt, da es für die Textilkünstlerinnen wenig Möglichkeiten gibt, ihre Werke auszustellen, eine Galerie für Textilkunsthabe zu eröffnen. 1998 war es dann soweit. Ein Raum neben dem Geschäft war frei geworden und den hatte ich dafür angemietet.
Meine Überlegung war,  ein Forum für die Textilkunstschaffenden zu bieten, und nebenbei würde das interessierte Kunden anlocken, die auch das Geschäft besuchen. Diese Überlegung war aufgegangen und es war sehr schön, auch in Kontakt mit diesen interessanten Frauen zu kommen.
Ein Weiteres war, diese Frauen auch für Workshops zu gewinnen.

Du hast Dich auch an Wettbewerben beteiligt und Preise gewonnen. Manch eine Quilterin findet nie den Mut, sich an einem Wettbwerb zu beteiligen, was würdest Du ihnen sagen wollen?

Meine erste Beteiligung an einem Wettbewerb war zu dem Titel „Chaos“ in den Niederlanden und erstaunlicherweise wurde meine Arbeit da auch angenommen.
Ich war auch erstaunt, als ich den ersten Preis für eine Arbeit im Elsass bekommen habe, damit hatte ich nicht gerechnet, habe mich aber sehr gefreut und es als Bestätigung gesehen, den Weg weiter zu gehen. Meine Empfehlung zu Wettbewerben ist, dass man in erster Linie die Arbeit für sich selbst machen muss, denn dann ist die Enttäuschung, wenn die Arbeit nicht angenommen wird, nicht so groß. Und wenn man eine Absage bekommt für ein Werk, heißt das noch lange nicht, dass es nicht gut ist. Die Zustimmung hängt immer von der Jury ab und da spielen neben den vorgegebenen Bedingungen natürlich auch subjektive Empfindungen mit.

Inzwischen arbeitest Du mit vielen verschiedenen Techniken, sowohl mit Stoff als auch Papier. Würdest Du uns davon erzählen?

Ich freue mich sehr, dass die Textilkunst in der Zwischenzeit etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt. So habe ich auf der Art Karlsruhe auch textile Werke entdeckt.
Meine Arbeitsweise der Collage, die ich für mich entdeckt habe, gibt großen Freiraum und erlaubt Mixed Media. Es macht einfach Spaß, mit den verschiedenen Materialien zu experimentieren.

Könntest Du beispielhaft beschreiben, wie ein neues Werk entsteht?

Ich arbeite in der Zwischenzeit viel mit Fotografien, die ich auf Reisen gemacht habe, zur Zeit sind das Graffitis und Street ART aus Städten.  Ich verfremde diese mit einem Fotoprogramm und transferiere sie dann auf Stoff. Der Stoff wird gequiltet, bestickt, eventuell bedruckt.
Ich arbeite aber immer auch noch an traditionellen Arbeiten, so entsteht momentan eine Arbeit mit Boromending – Boromending kommt aus dem Japanischen und heißt so viel wie „Zu gut um wegzuwerfen“. Ich nähe japanische Stoffstücke offenkantig auf einen anderen Stoff auf. Die Blöcke werden dann in der „Quilt-as-you-go-Methode“ zusammengenäht.

Was inspiriert Dich zu immer neuen Werken?

Meine Inspiration kommt von den Fotografien, die ich auf Reisen mache, Dingen, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, das können z.B. alte verrostete Dinge sein, alte Türen an denen die Farbe abblättert, die Natur, alte Fotografien von Menschen aus einer anderen Zeit, unsere Umwelt und das, was in der Welt passiert, wie z.B. die Flüchtlingskrise.

Wo siehst Du Dich in Deiner künstlerischen Entwicklung in fünf Jahren?

Ich hoffe, ich gehe meinen Weg weiter und schaffe es, Ausstellungsmöglichkeiten in Galerien zu finden oder gar auf einer Kunstmesse.

Wird Deiner Ansicht nach die Textilkunst ausreichend geschätzt?

Meiner Ansicht nach muss die Textilkunst noch mehr in die Aufmerksamkeit des Publikums kommen. Dafür habe ich auch mit der Galerie gearbeitet und es hat sich meines Erachtens  auch schon etwas getan, aber es besteht noch weiterer Bedarf, Textilkunst mehr in den Fokus der anerkannten Kunst zu rücken.