Portraits & Interviews

Interview mit Simone Meentzen

Simone Meentzen

Simone Meentzen habe ich bei der TEXTILE ART BERLIN 2016 getroffen. Ich war begeistert von ihren feinen Blaudrucken und habe sie spontan gefragt, ob sie ein Interview für das Textile Art Magazine machen würde. Sie hat ebenso spontan zugesagt.

Sie haben Central Saint Martins College of Art & Design London, am London College of Fashion studiert. Wie kam es dazu?

Nach einigen Jahren künstlerischer Assistenz wollte ich mich weiterbilden und studieren, und CSM galt ( und gilt immer noch ) als eine der besten Kunst- und Designschulen. Die Bewerbung war damals unkompliziert und es gab auch noch keine Studiengebühren. Eine Studienplatz zu bekommen, ist schon wie eine Auszeichnung, da aus extrem vielen Bewerber ausgewählt wird. Ich habe es beim 2. Anlauf geschafft, und vorher noch ein Foundationstudium am LCF gemacht, das ist in England üblich.

Sie haben dann in Textilstudios in England gearbeitet. Würden Sie diese Erfahrung beschreiben?
Ich hatte das große Glück, mit einem erfolgreichen Textilstudio zu arbeiten, The Collection Design Studio London. Ich war selbstständig und u.a. für das Studio tätig, bekam Designaufträge zu Trendthemen, die ich dann in textilen Mustern und Entwürfen für Modekunden umsetzte. Das Studio agierte wie Agenten- sie besuchten mit unseren Arbeiten Klienten und alle internationalen Messen, ich konnte mich auf die künstlerische Arbeit konzentrieren. Allerdings wird dabei immer vorinvestiert, es ist nicht garantiert, dass die Designs verkauft werden. Flexibilität und Risikofreude gehörten zum Geschäft und waren Teil der kreativen Erfahrung.

Auch an der Hochschule für Bildende Künste Dresden haben Sie ein Abendstudium absolviert. Wie unterscheiden sich die englischen und deutschen Hochschulen?
Ich habe zu DDR-Zeiten als Jugendliche an der HfBK Dresden ein Abendstudium Malerei und Grafik begonnen, das war ein Kurs, in dem künstlerische Fähigkeiten, Techniken und Perspektiven vermittelt und gefördert wurden. Viele der ehemaligen Teilnehmer sind inzwischen erfolgreich tätig in den Bereichen Malerei und Freie Kunst. Da ich mich aber auch für Mode interessierte, wollte ich ein Modestudium beginnen. Das Abendstudium fand 2 x wöchentlich statt, der Foundationkurs am LCF in London umfasste dagegen ein einjähriges Vollzeitstudium Kunst und Design mit Abschluss Zertifikat. Meine Studienzeit in England war eine sehr bereichernde und kreative Zeit, das College befand sich mitten im Zentrum von London im Stadtteil Soho. Fokus beim Studium am CSM lag auf Innovation und man bekam sehr wenige Vorgaben- es war wenig verschult und völlig unbürokratisch. Allerdings ist das auch schon länger her, und sicher hat sich einiges verändert, seit es den neuen Campus gibt …

Sie arbeiten mit der Blaudruckerei Folprecht in Coswig zusammen. Wie kam das zustande?
Ich interessiere mich schon lange für handgefärbte Indigostoffe, und bewundere die Kunst der Blaudruckerei. Für ein Projekt mit Studierenden der AMD Berlin habe ich 2009 eine Blaudruckwerkstatt im Spreewald besucht. Da diese leider nun geschlossen ist, habe ich recherchiert, und bin im Internet auf die Seite von Frau Folprecht gestoßen.
Ich bin ganz in der Nähe von Coswig aufgewachsen, also war es auch eine Wiederentdeckung des heimischen sächsischen Handwerks für mich. Bei der Blaudruckerei gebe ich Stoffe zum Blaufärben in Auftrag, ich schätze die besondere intensive Farbe, die nur durch die Handfärbung mit Indigo zustande kommt.

Färben und drucken Sie selbst?
Ich färbe selbst kleinere Mengen Stoff mit Naturfarben, das Indigofärben überlasse ich aber den Profis- die Blaudruckerei Folprecht hat das handwerkliche Können, sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Blaufärberei und dem Indigofärben, sie haben auch eine tolle Schauwerkstatt. Ich verwende kleine bedruckte Blaudrucke von der Blaudruckerie Folprecht auch für Patchworkarbeiten, andersfarbige Drucke erstelle ich mit Stempeln oder Siebdruck selbst.

Sie besticken Ihre Arbeiten auch?
Ja, ich habe mich in den letzten Jahren auf Sticken und Weben spezialisiert, wobei ich diese Techniken eher als dekorative Elemente einsetze.

Könnten Sie den Prozess vom ungefärbten Stoff bis zum fertigen Kunstwerk beschreiben?
Der Prozess beginnt mit einer Idee, einer Vision. Früher habe ich einfach Stoffe benutzt, weil mir die Farbe oder die Haptik gefallen hat, heute sind mir Herkunft der Stoffe und Nachhaltigkeit sehr wichtig, ich versuche z.B. auch, Stoffe zu recyclen oder Vintage-Stoffe zu verwenden. Das Material dient als Grundlage, auch als Inspiration. Ich arbeite eher intuitiv, und versuche während des Prozesses offen für weiterführende Ideen zu sein.

Sie planen eine Kollektion mit dem Titel FIBER&HEART. Bitte erzählen Sie uns davon.
Ja, meine Kollektion ist nun seit August 2016 online auf www.fiberandheart.com erhältlich. Ich biete Kleidung, Heimtextilien und Schmuck für Frauen an, das ist mein erstes eigenes Label, und ich habe erst vor kurzem gegründet. Es sind Einzelstücke und kleine Serien, aller 3 Monate füge ich neue Teile hinzu. Handmade in Berlin Europe – Ich spreche damit eine internationale Zielgruppe an, deshalb ist der Titel und die Webseite auch in Englisch. Man erreicht über das Internet ja Menschen in der ganzen Welt. Für die Fotos konnte ich eine fantastische Fotografin aus Berlin gewinnen, Grit Siwonia, und die wunderbare Nicole Hemmer aus Canada modelt.

Wie sehen Sie Ihre künstlerische Entwicklung in den kommenden Jahren? Wo wollen Sie hin?
Ich möchte mich mit meiner Kollektion weiterentwickeln, diese ist ja Ausdruck meines künstlerischen Prozesses. Ich bin eher Künstlerin als Unternehmerin, und hoffe, die Balance zu halten. Ich bin auch offen für weitere Designprojekte und Kollaborationen. Mit meinen Arbeiten möchte ich einen nachhaltigen Lebensstil unterstützen, es geht nicht um “ schneller, weiter, mehr“ sondern um achtsamen Umgang mit Ressourcen, den eigenen als auch denen der Natur. Ich bin Teil einer Bewegung, die sich für ein neues Wertebewußtsein einsetzt, in den kommenden Jahren möchte ich mich international noch mehr vernetzen und mit Menschen arbeiten, denen Naturschutz, Umweltbewußtsein und Achtsamkeit wichtig sind.

Vielen Dank für das Interview!

Foto Credits:
Produkt Fotographie: Pascal Rohe
Portrait Fotographie: Grit Siwonia
ArtDirection & Styling: Simone Meentzen
Model: Nicole Hemmer