Reportagen

Ausstellung „Textile Vielfalt“ im Museum Europäischer Kulturen

Hochzeit

Vom 10. Oktober 2015 bis 1. März 2015 zeigt das Dahlemer Museum Objekte aus 60 Jahren künstlerischer Textilgestaltung in Potsdam. Zu sehen sind Arbeiten des Zirkels für künstlerische Gestaltung Potsdam, darunter Gemeinschaftsarbeiten, die zwischen 1954 und 1994 unter der Leitung von Ingeborg Bohne Fiegert, der Gründerin des Zirkels entstanden sind. Sie war der Meinung, „dass der Begriff künstlerische Textilgestaltung inhaltlich mit der ‚Textilkunst‘ gleichzusetzen sei, zu der Flechten, Weben, Wirken und die Herstellung von Spitzen und Bildteppichen gehöre.“

Das Museum zeigt mehrere große Bildteppiche, darunter den Wandteppich „Hochzeit in Bluno“ und den Behang „Entlang der Seidenstraße“. Dazu konnte Zirkelmitglied Margot Scholz, die Besuchern der Ausstellung alles liebenswert zu erklären wusste, vieles zu erzählen. Die Arbeit war 1982 von Steffi Wendl begonnen, aber nie abgeschlossen worden. Die Figuren waren dann in einem Nachlass gefunden worden. Erst 2007 wurde der Behang von Jutta Lademann fertig gestellt.

Interessant die Geschichte um einen Sonnenschirm mit Siebdruckmotiv. Die Motive waren von den Mitgliedern des Zirkels gedruckt worden. Dann wurden von einem Fachbetrieb die Schirme bezogen. Bei einer Modenschau präsentierten die Damen, bekleidet mit einfarbigen Kleidern, dann die farbenfrohen Schirme mit großem Effekt.

Frei im Raum hängt ein textiler Würfel, bei dem jede Seite von Marianne Herzog anders gestaltet und bestickt wurde. Jede der sechs Seiten soll ein Symbol für eine Etappe der sechs Jahrzehnte des Zirkels sein. „Wege gehen“, „Auftreten“, „Netzwerk“, „Hut ab“, „Kontraste“ und „Einfach Spitze“ sind die Seiten benannt. Die Seite „Netzwerk“, bei der Goldfäden wie Wege einzelne gestickte Orte verbinden, symbolisiert die vielfältigen Kontakte des Zirkels zu Textilkünstlerinnen, Kunstschulen und Modeinstituten, auch zur Burg Giebichenstein in Halle. Erinnert wird damit auch an zahlreiche Exkursionen nach Moskau, Leningrad, Jerewan, Warschau, Budapest, Sofia, Tallin, Karlsbad etc.

Margot Scholz bat uns auch, die Ausstellung „Fundstücke“ zu bewundern, die vor dem Raum, in dem die Ausstellung präsentiert wurde, gehängt war. Auf 20 x 20 cm großen Quadraten waren mit den unterschiedliches Techniken Fundstücke eingearbeitet werden, ganz modern in der Anmutung.

Zur Ausstellung gibt es einen schönen Katalog mit dem Titel „Textile Vielfalt am Museum Europäischer Kulturen“, erschienen im Verlag der Kunst, für 17,95 Euro zu kaufen. Darin geht es u.a um die Geschichte der textilen Sammlungen des Museums, die Arbeit der Textilrestauratorinnnen sowie das künstlerische Amateurschaffen von den 1950er Jahren bis heute. Sehr lesenswert!