Reportagen

Oberschönes Weihnachts-Kaos in Berlin-Oberschöneweide, ein anderer Weihnachtsmarkt

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(Text : Nathalie Wolters, Übersetzung Claudia Eichert-Schäfer)

Berlin ist die Mutter aller Weihnachtsmärkte, jedes Viertel, jede Institution hat praktisch einen eigenen. Sie nennen sich „nostalgisch“ oder „Designmärkte“ und das Angebot reicht von Schickimicki (wo sich man sich bei der Vernissage einfach sehen lassen muss) bis hin zu Fahrgeschäften für die Familie.

Im Dezember wird es in Berlin selbst an schönen Tagen schon um 16.15 Uhr dunkel. Das heißt: literweise Glühwein und gebrannte Mandeln, viele Lichter, irrationale, plötzliche Gelüste nach pelzgefütterten Pantoffeln und die verzweifelte Suche nach einem Geschenk in letzter Minute zwischen Ständen mit Schmuck, verführerischen Schals, unerwarteten Kreationen und Naturprodukten (es gab noch nie so viel Honig von Berliner Stadtimkern wie in diesem Jahr …)

Nach einiger Suche führt uns ein kaum beleuchteter Weg bei Anbruch der Dämmerung in ein düsteres Labyrinth zwischen Hallen und Anbauten aus dem 19. Jahrhundert in einem Industriegebiet an der Spree zum „Oberschönes Weihnachtskaos“. Die Firma KAOS vermietet einige dieser Gebäude für Veranstaltungen, Workshops, Fotoshootings, als Drehorte etc.  Der Weihnachtsmarkt findet in einem großen stimmungsvollen Hangar statt, der außen von einigen Holzfeuern und innen von einzelnen Lampen erleuchtet wird. Ungefähr 50 Designer, Künstler, Kunsthandwerker und Produzenten präsentieren ihre Kreationen. Die Spannbreite reicht von Keramik (Michael Koch Keramik) über kunsthandwerkliches Papierzubehör (Papierwerkstatt Janet Sifft) zu einer Werkstatt für den Bau indianischer Kanus (Urbanindian). Ein komplett behäkeltes Sofa steht ganz hinten im Hangar. Livemusik von Wolfgang Ohmer und Achso, eine Lebkuchenbäckerei für Kinder sowie allerhand kulinarische Köstlichkeiten runden die Veranstaltung ab.

Was uns an Textilem besonders gefallen hat:

Jule Waibel hat sich auf das Plissieren spezialisiert. Sie zeigt zwei Origami-Sitzkissen und einige erstaunliche Kleider, bei denen die Materialien (Filz, Moussline und Papier) neben viel Humor große Experimentierfreude und textiles Knowhow erkennen lassen (www.julewaibel.com).

Die Landhof Manufaktur zeigt sehr raffinierte mit der Handstrickmaschine gestrickte Erzeugnisse:  Objekte fürs Haus und Modeaccessoires, alles aus feinster Merinowolle. Die Motive und Farbkombinationen machen aus jedem Stück ein Unikat (www.landhof-manufaktur.de)

Zu den Filztieren von Yomo-Design (man kann nie genug betonen, wie wichtig Schmusetiere für Kinder sind!) gehören Schafe, Giraffen, Hunde und Kängurus. Jedes Filztier hat ein ganz individuelles Gesicht und wartet geduldig auf die Adoption (www.spieluhren.yomodesign.de)

Blautropfen ist ein blaues Universum, geschaffen durch Cyanotypie, eine Art Blaudruck auf Papier, Stoff oder Holz. „Da ist sicher eine gewisse maritime Inspiration drin,“ sagt die Schöpferin Anna Böckers, die ihre neue Kollektion im Juni bei der TEXTILE ART BERLIN 2017 präsentieren wird.

Im nächsten Jahr kommen wir ganz bestimmt wieder. Ab 15. November können wir uns auf der Website www.kaosberlin.de umschauen. Tun Sie es auch, es wird sich lohnen.