Reportagen

Reportage über die Europäischen Tage des Kunsthandwerks in Berlin, 1. – 3. April 2016

Küchenkräuter

Während der Europäischen Tage des Kunsthandwerks vom 1.- 3. April 2016 hatten Werkstätten und Ateliers in der ganzen Stadt ihre Tore geöffnet. In einem der schönen alten Backsteinbauten der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin beispielsweise zeigten und verkauften an diesen Tagen 40 Künstlerinnen und Künstler sowie Gäste  des Berufsverbandes Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg und die KPM Berlin gemeinsam ihre Werke: Porzellan, Schmuck, Textiles, Leder, Filzfiguren, Glasobjekte … es gab eine Fülle Begeisterndes zu sehen. Natürlich galt mein Interesse in erster Linie dem Textilen, aber an vielen anderen Dinge konnte ich wirklich nicht vorbei gehen.

Deshalb als erstes zwei Keramikobjekte von Sabine Martin und drei kleine Ledertaschen von Pik Dame Bags, dem Label von Sylvia Wegener.

Pia Fischer bot wieder echte Hingucker. Auch die RBB Abendschau hat am 1. April wieder hingeschaut, auf dieses Kleid mit einem Top aus 7500 Knöpfen! Aber auch ihre Halsketten sind ganz außergewöhnlich und gefallen mir ausnehmend gut.

Die Weberin Renate Weber hat sich sicher oft genug anhören müssen, wie gut ihr Name zu ihrem Kunsthandwerk passt! Sie zeigte Küchenkräuterbilder, dieses mit Lavendel auf naturfarbenem Leinen gefiel mir besonders gut. Auch der blaue Kaschmirschal ist eine Pracht!

Arian Schöner präsentierte gestrickte Kleider mit schönen Farben und Mustern.

Katja Nestle zeigte sehr liebenswürdig Kleider, lange Blusen, applizierte Hüftgürtel und raffiniert gefalteten Halsschmuck von ihrem Label Onnenlinna.

Und noch etwas nicht Textiles, was mich aber sehr an Patchwork denken ließ. Brgitta Aßhauer fertigt Glastische, Paravents etc. mit sehr geometrischen Mustern. Sie verwendet dazu eine Sandstrahltechnik, bei der einzelne Flächen mattiert werden. Auf dem Paravent sind die Hochhäuser vom Potsdamer Platz zu sehen.

Wo ich schon von Hinguckern sprach: die Viecher von Susanne Wetzel waren mit Sicherheit welche. Unter ihrem Label Viecheria bietet sie Filzfiguren unterschiedlicher Größe, auch schon mal mit Rastalocken. Man kann sie bei 30 Grad in der Waschmaschine waschen!

Sehr edel sind die gebatikten Seidenkimonos von Maria Schade. Sie waren sehr dekorativ an die Stirnseite eines Raumes gehängt worden.

Aus Seide und Schafwolle fertigt Marlies Raasch Tücher, die sie von Hand bemalt. Sie hat sie sehr dekorativ farbig sortiert aufgehängt.

Unter den Besucherinnen ist mir auch eine Dame aufgefallen, die eine sehr aufwändig bearbeitete Umhängetasche trug: Klara Li, selbst  Textlikünstlerin.

Auch das Kreativkaufhaus Vielfach in der Zimmerstraße war in der langen Liste der offenen Ateliers aufgeführt. Dort können KunsthandwerkerInnen und KünstlerInnen Fächer mieten und ihre Werke zum Verkauf anbieten. Der Besuch hat sich durchaus gelohnt. Interessant war für mich, wieviel Upcycling zu sehen und zu kaufen ist. Zum Beispiel bietet Brenda Alvarez Taschen aus alten Feuerwehrschläuchen und Luzia M. Gossmann verkauft unter ihrem Label trans FORMATE Etuis, Taschen, Kästen, bis hin zu Paravents aus verwebten Zeitungsstreifen. Eine hauchdünne, matte Oberflächenversiegelung macht das Material strapazierfähig, feuchtigkeitsabweisend und abriebfest, ohne den Papiercharakter zu verändern.

Britta Rook aus Berlin bietet mit ihrem Label Simply Needles Handyhüllen und Portemonnaies aus Folien- und Aluminium-Folienverbund-Verpackungen, zum Beispiel aus ehemaligen Haribo-Tüten oder Kaffeeverpackungen. Eine tolle Idee und offensichtlich recht erfolgreich.

Alle Fotos Claudia Eichert-Schäfer, außer das der Tasche aus Papierstreifen, das freundlicherweise Luzia Grossmann zur Verfügung gestellt hat.