Reportagen

TEXTILE ART BERLIN 2015 – Ausführliche Reportage – Teil 1

Top_Thema_3

Am 27. und 18. Juni fand zum 11. Mal die TEXTILE ART BERLIN statt.  In der Carl-von-Ossietzky-Schule in Berlin Kreuzberg waren 33 Ausstellungen zu bewundern, 27 Workshops, viele Mitmachaktionen fanden statt, Filme und Vorträge wurden gezeigt und nicht weniger als 120 Verkaufsstände boten Material für textiles Gestalten, Textil-Bücher, Mode, Accessoires und Schmuck, Innendekoration, Stoffe, Quilts, etc. etc. Eigentlich unmöglich, alles zu sehen! Die Bilder, die ich zeige, können nur eine sehr persönliche Auswahl sein!

Begrüßt wurden die BesucherInnen  unter anderem mit einem bunt geschmückten Fahrrad, eine nette Idee! Und neben den Augen kamen auf die Ohren zu ihrem Recht, die Gruppe „Zimt und Zucker“ spielte auf den Gängen der Schule kraftvolle Melodien und tanzbare Rhythmen.

Im Erdgeschoss der Schule gab es gleich neben dem Eingang kirgisische Teppiche und Stickereien zu sehen. Die besondere Intarsientechnik der Kirgisen zeigte unter anderem Christine Bell. Ein paar Schritte weiter hatte die Patchwork Gilde Deutschland ihren Stand. Sie präsentierte eine schöne Ausstellung von Kinderquilts zum Thema „Die Vogelhochzeit“. Kinder aus fünf Ländern haben sich beteiligt.

Ebenfalls im Erdgeschoss zeigte Ingrid Wieland aus Berlin Quilts zum Thema Berlin. Es waren gleich zwei Quilts mit Zille-Motiv zu sehen. Dieser hier heißt: „Seh’n Se, det war Berlin.“ Sie hat viele amüsante Szenen aus Zilles Milieu auf das Kopfsteinpflaster appliziert: einen Leierkastenmann, einen Bürstenverkäufer, einen Briefträger, eine Gemüsefrau etc.

Regine Gottschalk präsentierte das Projekt IsA-K und einige Quilts, die im Rahmen der Arbeit mit straffälligen Frauen entstanden sind. Mehr zum Projekt IsA-K hier auf dieser Website im Interview mit Regine Gottschalk.

Ganz begeistert haben mich die Arbeiten von Petra Ewler. Sie nennt ihre Technik „Cut Art“. Sie ordnet hochflorige Stoffe in Streifen an. Eine Arbeit von ihre, die aus der Ferne wie ein Quilt aussieht, habe ich bereits in meinem ersten Beitrag zur TEXTILE ART BRLIN gezeigt. In Kürze wird auf dieser Website auch ein ausführliches Interview mit ihr erscheinen.

Auch Guido Nosari habe ich schon für das Textile Art Magazine interviewt. Er präsentierte eine sehr große Arbeit mit dem Titel Nympheas und erzählte mir dazu, die „leere“ Fläche in der Mitte des Teichs sei gerade groß genug, dass er hineinschlüpfen könne.

In einem der Innenhöfe gestaltete Sofia Olander einen „Schamanengarten“ mit einer verhüllten Gestalt.

Vor dem Schamanengarten zeigte Luitgard Möschle ihre Form des Upcycling. Sie übermalt „alte“ Quilts, darunter auch einen, für den sie  bei einem Wettbewerk zum 25. Geburtstag der Patchwork Gilde einen Preis gewonnen hat. Die neue Arbeit nennt sie passend „Von Silber zu Gold“.

Auch Almyra Weigels Arbeit ist eine Art vom Upcycling. Sie dreht Zeitungspapier zu Schnüren und gestaltet daraus Bilder. Auch Almyra Weigel habe ich für diese Website von interviewt.

Viele fein gestickte Arbeiten sind mir in diesem Jahr aufgefallen. Gaby Gersch-Overhage stickt mit winzigem Kreuzstich Bilder. Dieses hier sah aus wie ein Lasagne-Quilt, natürlich ist es viel kleiner. Die Stickarbeit ist nur knapp 7×7 cm groß.

Hildegard Schneider stickt mit Petit-Point-Stich farbenfrohe Bilder. Hier sind 16 davon sehr wirkungsvoll auf schwarzem Hintergrund angeordnet.

Auch die Filzerinnen waren gut vertreten. Die Arbeit von Annemie Koenen mit dem Titel „Saft Strom“ aus der Serie „Circle of Life“ hat mir in ihrem Detailreichtum sehr gefallen.

Hier ein ganz zartes Schultertuch mit dem Titel „Annemones Hochzeit“, ein Tuch mit Holunderblüten. Gearbeitet mit Merinowolle auf Seidenchiffon, Effekte aus Seidenfasern.

Bei Despina Papadopoulou bin ich eine ganze Weile stehen geblieben und habe mir ihre Arbeiten erläutern lassen. Sie schafft schwarz-weiße Kunstwerke aus Nadelfilz. Dazu verwendet sie Wolle, Baumwolle und arbeitet mit Trocken- und Nassfilz. Die Arbeit mit den Händen beim Filzen sei, als würde man etwas pflanzen oder Brot kneten. In ihren Arbeiten setzt sie sich kritisch mit dem Kapitalismus und der Lage der Arbeiter in der Welt auseinander. Im Werk mit dem Titel „Camel’s Tears“ geht es zum Beispiel um ein Kleid von Balenciaga und all diejenigen, die es genäht haben.

Zum Abschluss dieses ersten Teils der Reportage noch zwei Arbeiten aus Filz. Zum einen Margret Riedls Werk mit dem amüsanten Titel „Das Eckige muss ins Runde“, angelehnt an einen ähnlichen Spruch vom Fußball.

Noch eine amüsante, sehr praktische Arbeit aus Filz: Powärmer. Birgit Vogler bietet jedes Jahr etwas Neues. In diesem Jahr waren es Blumenvasen. Aber die Powärmer haben es mir angetan.

Hier geht es zu Teil 2 der Reportage.