Portraits & Interviews

Interview mit der Inhaberin von kiseki, Dr. Juliane Reichenbach

Portrait

kiseki ist Japanisch und bedeutet „Wunder“. Wunderbare japanische Stoffe und noch viel mehr gibt es im Web-Shop von Dr. Juliane Reichenbach. Ich wollte mehr über die Inhaberin wissen.

Praktizieren Sie selbst ein textiles Kunsthandwerk?

Leider nein. Ich habe Aizome-, Shibori- und Sashiko-Kurse gemacht, aber leider gerade keine Zeit dafür.

Wie kam es zu Ihrer Liebe für alles Japanische?

Ich war das erste Mal 2004 in Japan. zwei Tage nach meiner letzten Diplomprüfung bin ich für drei Wochen nach Japan geflogen. Das war im März/April, also genau zur Kirschblüte, was neben Oktober/November mit der Laubfärbung die beste Reisezeit für Japan ist. Wir sind mit dem Zug von Tokyo nach Süden gereist, immer im Regionalzug, da kam man sehr leicht mit den mitreisenden Japanern ins Gespräch. Wie für eine erste Japanreise typisch waren wir natürlich in Tokyo, haben sehr viele Tempel besucht in Kyoto, Rehe gefüttert in Nara, die Burg von Himeji bewundert, Hiroshima und Miyajima angesehen, haben uns einmal in ein sehr sehr heißes Bad getraut … und uns immer wieder über die Kirschblüten gefreut und die blauen Decken gewundert.

Ich liebe japanisches Essen, ich mag die besondere Ästhetik in Japan, traditionelle Handwerkskunst, die Perfektion und die Imperfektion, die Ruhe in Koyasan und den Lärm im Shibuya, den Geruch von Tatamimatten und den Duft frisch gebackener Taiyaki, den Klang der Taiko und des Nachtigallbodens in Nijojo, … Sie merken schon, ich könnte noch stundenlang schwärmen.
Nach drei sehr intensiven Wochen war klar, dass ich wieder und dann für länger nach Japan möchte.


 
Sie reisen oft nach Japan? Sprechen Sie auch Japanisch?

Seit 2004 bin ich jedes Jahr mindestens einmal in Japan gewesen. Letztes Jahr leider nicht, aber ich freue mich schon riesig darauf, endlich wieder nach Japan zu reisen.
Ich habe für ein knappes Jahr in Tokyo gelebt und an der Universität Tokyo (東京大学) gearbeitet.
2011 bin ich das erste Mal als Reiseleiterin mit einer wunderbaren Reisegruppe unterwegs gewesen, mit Besuchen des Quilt Festivals und einer Boro Ausstellung, mit Übernachtung und Feuerzeremonie im Tempel in Koyasan, wir sind auf der alten Tokaidostraße gewandert und haben die Rainbowbridge in Toyko überquert, waren in heißen Onsen baden in Hakone und in der Sonne baden in Odaiba, haben einen 70. Geburtstag gefeiert mit tanzenden Maiko und köstlicher Kaiseki-Küche …

Sie haben mit Kiseki einen großen Web-Shop. Erzählen Sie uns etwas über ihr textiles Sortiment.

Wir bieten eine sehr große Auswahl an traditionellen japanischen Stoffe an, aber auch Kinderstoffe und moderne Designs, z.B. von Textildesignern wie  Etsuko Furuya (Echino) und Noami Ito (nani IRO). Viele unserer Stoffe gibts es auch als Wachstuch. Daneben gibt es bei kiseki Sashikogarn, ganz klassisch in weiß und blau, aber auch in sehr vielen wunderschönen Farben, und dazu Sashiko-Vordrucke und -Nadeln. Außerdem gibt es Zubehör wie Reißverschlüsse, Schrägband, Gurtband, Taschenhenkel …
Antike Kimono, Obi und Haori haben wir zwar nicht online, aber im Laden in Stahnsdorf.

Auch japanische Papiere und Stempel gibt es bei Ihnen?

Wir haben ein kleines Sortiment an Papierwaren und Stempeln, die es aber im Moment nur online gibt, nicht im Laden in Stahnsdorf.

Was bieten Sie außerdem an?

Außerdem bieten wir Bücher und Zeitschriften an.
Nicht käuflich zu erwerben sind Ausstellungskataloge aus dem Kubota Itchiku Art Museum, aber bei uns in Stahnsdorf darf sehr gern darin geschmökert werden – auch wenn das natürlich kein Vergleich ist zu den echten Kimono vor Ort, aber doch ein feines Appetithäppchen.
Und wer eine Reise nach Japan plant und noch Tipps braucht, darf sich auch sehr gern an mich wenden.

Haben Sie neben dem Webshop auch einen Laden?

Wir haben einen Laden in Stahnsdorf (zwischen Berlin und Potsdam), wo es einen Teil des online-Sortiments gibt. Außerdem sind wir auf dem Stoffmarkt Holland, wenn der nicht gerade wegen Corona ausfällt, und sind so also in ganz Deutschland von Hamburg bis Weil am Rhein, von Bochum bis Dresden vor Ort. Natürlich immer nur mit einem Teil des online-Sortiments, die Stoffe passen nicht alle ins Auto.

Wie ist die Zeit der Pandemie für Sie? Fehlt Ihnen den physische Kontakt zu Ihren Kundinnen bei Messen und Ausstellungen?

kiseki ist vor allem ein online-Shop, die Räume in Stahnsdorf haben wir erst Ende 2019 bezogen. Also bevor es richtig losging, war schon wieder Schluss.
Seit der Geburt meiner Tochter war ich auch nur ein paarmal auf dem Stoffmarkt dabei, den Stoffmarkt hat mein Kollege übernommen. Insofern kam für mich persönlich der große Einschnitt schon lange vor der Pandemie, aber wegen eines Babys verzichtet man doch sehr gern auf den Stoffmarkt, anders als wegen eines Virus. Im September kommt meine Tochter in den Kindergarten und der Laden in Stahnsdorf wird „neu“ eröffnet. Auch auf den Stoffmarkt freue ich mich wieder, am 24.6. sind wir in Halle, am 25. und 26.6 in Dresden und am 27.6. in Berlin.
Einige Kundinnen begleiten mich schon seit den Anfängen von kiseki, als es die Stoffe noch in meinem Wohnzimmer gab. Die treffe ich auf dem Stoffmarkt, auf der Textile Art oder wir telefonieren auch mal so zwischendurch. Ab September  freue ich mich auch über Besuch in Stahnsdorf.