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Bericht über die Ausstellung Kelsch’Merveille in Kutzenhausen

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Das Dörfchen Kutzenhausen liegt in der Nähe von Hagenau im Elsass. Ein aus mehreren alten Fachwerkhäusern bestehendes Bauernhofmuseum, das Maison Rurale de l’Outre-Forêt, zeigt dort seit dem 2. Februar und noch bis zum 3. März die Ausstellung Kelsch’Merveille sowie elsässische Trachten im modernen Gewand.

Mich interessierte besonders der Kelsch, ein typisch elsässisches Leinengewebe. Der Name stammt wohl von „Kölsch“, denn der Färberwaid zum Blaufärben kam zu Zeiten Karls des Großen aus Köln. Der typische Kelsch hatte ein rotes, blaues oder rot/blaues und selten gelbes Karomuster. Er wurde nie industriell, sondern ausschließlich in Heimarbeit gewebt.

Kelsch wurden von Ausnahmen abgesehen nur für die Vorhänge des Alkovens, also der Schlafnische, und den sichtbaren Teil der Bettwäsche verwendet. Die Unterseite der Bettwäsche bestand aus naturfarbenem Leinen und später unifarbener Baumwolle, da weißer Webfaden billiger war als eingefärbter. Zum Verschließen von Kopfkissen und Bettbezug dienten Schlaufen zu beiden Seiten der Öffnung.

Diese beiden handgewebten Ballen Leinen wurden dem Museum von zwei 90-jährigen Damen gestiftet. In ihrer Jugend waren solche Ballen ein wahres Vermögen Wert. Das Leinen ist bedingt duch den Krieg, die Evakuierung aus dem Elsass und den Wandel der Zeiten nie verwendet worden und nach dem Krieg war es nicht mehr üblich, eine Mitgift aus Leinenballen mit in die Ehe zu bringen.

Die gesamte Aussteuerwäsche lag gefaltet in einer Truhe oder einem Schrank. Damit alles schön säuberlich gefaltet blieb, wurden die Falten mit ein paar großen Stichen festgenäht. Von allen Teilen: Kopfkissenbezügen, Bettbezügen, Laken, Servietten, Handtüchern, Waschlappen und Taschentüchern hatte die Braut bis zu 12 Teile. In alle hatte sie mit rotem Faden ihre Initialen eingestickt.

Als Färbestoffe wurden Waid und Krapp verwendet. Als gegen 1850 Violett in Mode kam, kombinierten die Weber geschickt Rot und Blau und erzielten Purpur, Mauve und Violett. Kelsch in Gelb sind recht selten. Vor Einführung der chemischen Farben wurde Gelb mit Färber-Wau, auch Färber-Resede genannt, gefärbt.

Heute wird Kelsch nur noch von ein oder zwei Webern bzw. Weberinnen hergestellt. Eine Weberin ist Pia Clauss in Seebach im Elsass (www.kelschdalsace.com)

Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. März 2019 im
Maison Rurale de l’Outre-Forêt
1 place de l’église
67250 KUTZENHAUSEN
Tel.: +33 (0)3 88 80 53 00
E-Mail : maison.rurale@musees-vosges-nord.org
www.maison-rurale.fr