Reportagen

Bericht über die Ausstellung SCHRIFTlich in Lörrach

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Auf 400 Quadratmetern zeigte bis zum 17. März das Dreiländer-Museum in Lörrach eine große Kalligraphie-Ausstellung des Vereins Bildende Kunst Lörrach.

In der Ausstellungsankündigung hieß es: „Die Verwendung von Schrift als gestalterisches Element in der bildenden Kunst ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Beginnend bei den Kubisten, über die Surrealisten, Dadaisten und die Pop Art wird Schrift bis heute in unterschiedlichster Form in den bildnerischen Prozess einbezogen. Einzelne Buchstaben, Wort- und Satzfragmente waren und sind Bestandteil graphischer, malerischer und auch plastischer Werke. Die Ausstellung des Vereins Bildende Kunst Lörrach zeigt auf, wie facettenreich und differenziert Sprache und Schrift heute als künstlerische Mittel genutzt werden.“

Ich war froh, die Ausstellung am vorletzten Öffnungstag sehen zu können und so begeistert von einzelnen Werken, dass ich mir durchaus hätte vorstellen können, das eine oder andere Werk zu kaufen. Die Werke von Sigrid Artmann, Arno Dietsche, Denise Lach und N.O. Madski wurden teils frei im Raum hängend bzw. stehend, teils an den Wänden präsentiert. Bilder, Skulpturen und Installationen fesselten den Blick. Auch beim zweiten Rundgang blieb ich immer wieder bei den gleichen Lieblingsstücken stehen.

Denise Lach aus Hüningen in Frankreich befasst sich seit 35 Jahren mit Schrift und Kalligraphie. Sie experimentiert mit skurrilen, ungewöhnlichen Schreibwerkzeugen wie Glaspipetten, Federn und Pinseln aller Art oder keilförmigen Holzstäbchen und ebenso ungewöhnlichen Druckinstrumenten wie unter anderem Radiergummis.  Seit vielen Jahren gibt sie Kurse und hat bereits einige sehr begehrte Bücher veröffentlicht.
Im Treppenhaus hängen frei im Luftzug tanzend Kalligraphie-Rollen, jede mit anderen Zeichen bedruckt.

Denise Lachs Installation Desiderata fasziniert alle Besucher. Sie umfasst 105 Holzboxen, 10x10x6 cm groß, auf einem Sockel. Die Boxen sind mit Original-Kalligraphien beklebt.

Für Sigrid Artmann aus Ludwigsburg geht es nicht allein um Schönheit der Kalligraphie, sondern auch um deren Inhalt. Sie lässt sich gerne durch Zufäll inspieren. Auf diesem Werk steht der Text „Wir sind nun einmal von so verschiedener Weltansicht, dass wir uns nie vereinigen können, einander nie verstehen werden, dein dich innig liebender …“. Im Hintergrund kann man eine feine geschwungene Handschrift erkennen, darüber hat sie den Text noch zweimal in unterschiedlicher Größe in Druckbuchstaben platziert.

Arno Dietsche aus Grenzach gestaltet vielfältig gemusterte Zeichengewebe. Die von ihm entwickelten Computerschriften sind auf diesen Geweben nicht mehr lesbar und nehmen sich auf dem Baumwoll-Cretonne wie komplexe Muster aus.

Amüsant der Titel dieses Werks „Die 6 und die 8 träumen von der 7“. Hier handelt es sich um einen Pigmentdruck auf Bütten.

N.O. Madski aus Hamburg  ist Street-Art-Künstler. Auf farblich verfremdete Fotos von Wänden und Gebäuden mit Grafitti hat er mit Acrylmaker eigene Zeichen gesetzt.

Zwischen zweien seiner Fotodrucke hat er die Wand mit Zeichen beschrieben, die mich sowohl an Bauwerke/Grundrisse als auch an Buchstaben erinnern.

Das Dreiländermuseum ist auch außerhalb solcher Sonderausstellungen einen Besuch wert. Die nächste große Ausstellung wird die größte mittelalterliche Burgruine am Oberrhein vorstellen, die Burg Rötteln.

Dreiländer-Museum Lörrach
Basler Str. 143, 79540 Lörrach
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
https://www.dreilaendermuseum.eu/

Das Bild im Kopf des Artikels zeigt ein Detail der Arbeit „Plumage“ von Denise Lach (Siebdruck auf Designer-Textil). Alle Fotos: Claudia Eichert-Schäfer