Reportagen

Bericht über die Nadelwelt 2018 in Karlsruhe

Top Thema 3

„Die Hälfte würde ich nehmen!“ So eine Besucherin, vor einem Quilt von Veronika Schlüsselburg. 50 Euro wäre es ihr wert. Veronika war sehr verdutzt, wie man sich vorstellen kann! Sie konnte sich das später nur damit erklären, dass die Besucherin den Quilt „Rush Hour“ wohl für einen bedruckten Stoff hielt.

Veronika zeigte auch interessante Porträts, bei denen sie Malereien überstickt hat und einzelne Stickfäden hängen lässt. Sie wird wohl immer wieder aufgefordert, die losen Fäden doch abzuschneiden!

27 Quilts, die aus Deutschland zur World Quilt Competition 2017 eingereicht wurden, waren ausgestellt. Andrea Stracke hat für den Quilt Andesine, 160×190 cm groß und handgequiltet, den Preis „Best Hand Workmanship“ in der Kategorie „Traditionell“ erhalten.  Hier auch der Quilt „A Maze in Words“, für den Petra van den Daele eine „Honorable Mention“ in der Kategorie „Innovative“ bekommen hat, sowie Quilts von Martina Hilgert-Verwoort und Maria Reuter.

Anke Pradel-Schönknecht kenne ich aus Berliner Tagen. Inzwischen ist sie Chef-Assistentin der Ausstattung am „Meininger Theater“. Damals erzählte sie mir: „Als Kind mit 11 Jahren bin ich in den Jugend-Kurs bei Margot Schwarz gekommen und habe mich nach und nach für die textile Gestaltung mit all ihren Raffinessen begeistert. Margot Schwarz hat mich beeinflußt, später Textil-Designerin zu werden.“

„Gardens around the World“ ist ein interkulturelles Austauschprojekt zwischen Afghanistan und Europa. Dass das zugrundeliegende Konzept war, die textilen Werke auf Weltreise zu schicken und somit von vier Händen gestalten zu lassen. Die TeilnehmerInnen in Europa wurden dazu eingeladen, Entwürfe im Format A3 einzureichen, die ihre Vorstellungen von Gärten kommunizieren. Auf diese sollten die Afghaninnen ihrerseits mit einer persönlichen Ergänzung reagieren können. Alle Beteiligten hatten den Freiraum, die Fläche in ihrem individuellen Stil zu gestalten. Nach der Rückkehr wurden die Werke an die EuropäerInnen zurückgeschickt, damit diese sie nach eigenem Ermessen fortführen und fertigstellen konnten. Einige entschieden, die Arbeit so zu belassen. Andere hingegen ergänzten sie hier und dort oder „gruben“ den gesamten Garten noch einmal um.  Dazu ist beim Maro-Verlag ein Galerie-Buch als Ausstellungskatalog erschienen, sagte mir Pascale. Viel mehr können Sie auf der Website von Guldusi erfahren: www.guldusi.com

Seit 2018 ist dank Art Quilt CZ sowie der Themen der Wettbwerbe von Praque Patchwork Meeting eine Serie von Quilts entstanden, bei der das Material das Hauptthema war. Jedes Jahr wurde ein für das Quilten nicht typisches Material gefunden und die Quilter sollten es auf mindestens 30 % der Fläche benutzen. Da Jana Sterbova diese Serie von Anfang an organisierte, zeigt sie zum ersten Mal in einer Galerie all die Quilts, die sie während der letzten 10 Jahre im Rahmen dieses Projekts geschaffen hat. Hier zwei Quilts von ihre, einer mit dem Material „Filz“, der andere mit „Wollstoffen“.

Annette Bamberger erklärte den Besucherinnen auch einem kleinen Aushang: „Bevor ich anfing, mich mit Textilkunst zu beschäftigen, zeichnete und malte ich. In der Serie „Vom Bild zum Quilt“ zeige ich Quilts, bei denen ich meine vor etwa 25 Jahren gemalten Akrylbilder neu interpretiere. Dabei wollte ich auf keinen Fall Kopien der Bilder herstellen und sie so genau wie möglich wiedergeben, sondern ich wollte die Stimmungen, die Ideen und Aussagen der Bilder mit neuen, mit textilen Mitteln zeitbezogen ausdrücken.“

Die passionierte Textilkünstlerin Jutta Hufnagel ist die treibende kreative Kraft hinter „My Year of Design“, einer Kursreihe mit vielfältigen unterhaltsamen und herausfordernden Gestaltungsübungen. QuilterInnen und andere Textilschaffende jeden Niveaus werden auf eine „Reise des Nachdenkens und Gestaltens“ abseits der ausgetretenen Pfade des Patchworkens und Quiltens eingeladen. Hier Quilts von Jutta Hufnagel, Brigitte Lüthi und Anke Calzada.

Die acht Künstlerinnen von LIMERIA Textilkunst-Hamburg zeigten zwei Gruppenprojekte. Bei den Arbeiten aus dem zweiten Projekt war zu sehen, wie jede Künstlerin mit den 25 x 25 cm großen Arbeiten der anderen ein Ganzes und etwas Eigenes geschaffen hat. Ilka Rave erklärte mir, dass in ihren Quadraten jeweils ein Erkennungsstreifen ist.

Zeit für eine Mittagspause im weitläufigen Hof zwischen den Messehallen und danach ein Rundgang durch die Ladenstraße mit 200 Händlern, ober sollte ich besser Ladenstadt sagen? Ich finde immer wieder schöne farbige Motive durch den Sucher der Kamera.

Das Museum Nordwolle in Delmenhorst und die Quilters-Insel hatten im September 2016 den „Art Quilt Award 2017“ ausgeschrieben. Die Teilnehmerinnen waren aufgerufen, in ihren textilen Werken das Thema „Zoom – wenn unsere visuelle Wahrnehmung sich verändert …“ zu reflektieren. In Karlsruhe wurden 24 Arbeiten von 23 internationalen KünstlerInnen gezeigt.

„Stoff zum Nachdenken“ sollte die von Heidi Drahota kuratierte Ausstellung geben. Im Text zur Ausstellung war zu lesen: „Großartige international anerkannte Textilkünstlerinnen rund um den Globus – von Taiwan bis Argentinien – spannen in ihren Arbeiten den weiten thematischen Bogen von den Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen in der Textilindustrie Bangladeshs und anderen Ländern über Themen wie Kinderarbeit oder Flucht aufgrund von fehlender Arbeit im eigenen Land bis hin zu unserem eigenen Verbraucherverhalten. Im Rahmen der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an Amirul Haque Amin, den Präsidenten der Nationalen Textilarbeitergewerkschaft in Bangladesch, kuratierte Heidi Drahota diese internationale Textilausstellung. Erstmals wurde sie 2016 anlässlich des Nürnberger Friedensmahls dort gezeigt. Viele Künstlerinnen stellen ihre Arbeiten zum Verkauf und unterstützen mit bis zu 100 % des Erlöses die Arbeit des Preisträgers. Die Ausstellung wird von Handiquilter gesponsert.“

Die Patchworkgruppe Karlsruhe feierte ihr 25jähriges Bestehen mit der Ausstellung „Fünfunzwanzig + Alles paletti“. Aufgabe war das Upcycling gebrauchter Stoffpaletten.

Bei der Ausstellung sieben/12 haben sich 6 Quilterinnen und 1 Quilter der Herausforderung gestellt, 12 Quilts zu erarbeiten: zu einem Thema und in festgelegten Formaten. Pia Welsch hat 7 langjährige Kursteilnehmer ihrer Quilt-Werkstatt dazu eingeladen.

Angesichts meiner Faszination für das Muster „Tree of Life“ musste ich einfach bei den Arbeiten von Judy Coates Perez stehen bleiben. Vor allem der Baum auf schwarzem Hintergrund hat es mir angetan. Ich bin sehr nah herangegangen, weil ich sehen wollte, wie die Tiere appliziert sind, aber das sind sie gar nicht, sie sind gemalt! Judy Coates Perez geht immer von weißem Stoff aus und bemalt ihn entweder mit Textilfarbe oder Acryl Tinte. Anschließend quiltet sie mit einer Haushaltsnähmaschine.

Janine Heschl wurde von Natacha Wolters bereits für diese Website interviewt. Ich war überwältigt von den realistischen Tierbildern. Ich musste schon sehr nach herangehen, um zu erkennen, dass das Fell des Tigers eben kein Fell ist, sondern gestickt! Hier finden Sie das Interview mit ihr.

Hildegard Müller arbeitet gern im Doppel, d.h. sie macht jeweils zwei Quilts, die sie nebeneinander hängt. Sie sagt von sich, sie erstelle gern mehrere Arbeiten zu einem Thema und verarbeite auch Texte in ihren Quilts.

Groß- und kleinformatige Quilts von Heike Dressler, Christine Brandstetter und Heide Stoll-Weber hatten einen besonders schönen Platz bekommen.

Die Mixed-Media-Künstlerin Cas Holmes zeigte feine kleine Arbeiten. Zu ihr sagte mir Elsbeth Nusser-Lampe einmal: „Es ist ein Kennzeichen von Cas Holmes, dass sie die Ränder so lässt, wie es das Fundstück ergibt. Sehr bewundernswert, weil wir vom Patchwork gern gerade schneiden, bedingt durch diesen Blockgedanken. Das spielt für sie gar keine Rolle.“

Abschließend noch drei besonders schöne Arbeiten von Isabelle Wiessler. Ein Interview mit ihr wird in Kürze hier erscheinen.

Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus der Arbeit „Colour Play II“ von Jutta Hufnagel.