Reportagen

Bericht über die TEXTILE ART BERLIN 2018 – 2. Teil

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Auch im zweiten Teil des Berichts über die TEXTILE ART BERLIN 2018 schaffe ich es nicht, über alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu berichten. Über 100 Verkaufsstände, 35 Gruppen- und Einzelausstellungen und 27 Workshops waren zu erkunden und zu bewundern!

Papier zählt auch zu den textilen Materialien, wussten Sie das? Deshalb sehen sie in dem großen Bild über meinem Artikel ein ganz besonderes Papier in Blau mit Goldakzenten. Neben Papierbögen verkauft Maja Kemnitz auch Papeteriewaren aller Art, z.B. Schächtelchen.

Auch die PhorMinis haben sich beteiligt! Von den „Hummeln“ bis zu den „Wasserläufern“ haben alle Nadel und Faden, Filz und Wolle in ihre kleinen Hände genommen und zusammen mit ihren Erziehern Form und Farbe zusammengebracht. Daraus ist ein phantasievolles Kunstwerk entstanden – artPHORminis eben.

Ich liebe Hüte! Und die Hüte von Bettina Kübler gefallen mir besonders gut. Es gibt sie in allen Farben des Regenbogens.

Schnürmieder, Taillenmieder, Brautmieder, Korsagen, Wespentaillen, Hüftgürtel etc. fertigen Maria Kravetz und Britt Sobotta von der Berliner Miedermanufaktur. Als ich am Stand fotografierte, interessierte sich gerade ein junge Frau für ein Mieder für ihre Hochzeit.

Ein kleiner Menschenauflauf war am Stand der Barleben-Handspiel-Tierfiguren zu beobachten. Nicht nur wegen der wunderbaren Tiere, sondern auch wegen des Mannes, der sie vorführte. Er gab jedem Tier seine eigene Stimme und seine besonderen Eigenheiten. Der Ameisenbär war ganz besonders amüsant.

Flechtobjekte aus finnischem Papiergarn zeigte Angela Mainz. In Finnland würden daraus Papierteppiche herstellt, erzählte sie mir. Die Papierfäden sind licht- und farbecht.

Elsbeth Wiens fertigt raffinierte Nadelspitzenobjekte aus Draht.  Darunter auch eine schöne Schnecke, von der ich, da sie so durchscheinend war, kein gutes Foto machen konnte.

Schon bei der Textile Art 2016 habe ich die Lichtobjekte und Windlichter der Papier- und Textilkünstlerin Doreen Stenzel bewundert. Sie verwendet verschiedene Japanpapiere oder indisches Himalayapapier.

Eine ganze Weile stehen geblieben bin ich bei Zürcher Stalder. Da webte Koko von der Elfenbeinküste einen der typischen Streifen, in den alle ca. 20 cm ein Muster eingewebt wird, ohne Vorlage, aus dem Kopf. Wie mir sein Landsmann Ibrahim erklärte, wird in an der Elfenbeinküste ein Weber erst dann als Meister anerkannt, wenn er 25 unterschiedliche Muster weben kann, wie in dieser aus Streifen zusammengesetzten Decke.

Die Arbeiten von Rita Zepf bewundere ich schon lange und freue mich darüber, dass ich damit nicht allein stehe. Ihre Arbeiten sind alle nach Fotos gearbeitet. Sie näht auf das farbig ausgedruckte Papier und schneidet dann gezielt einzelne Teile des Fotos weg. Die Motive sind grafisch reduziert.

Textilkunst-Studierende der VDA Kunstfakultät Kaunas in Litauen präsentierten eine humorvolle selbstironische und unterhaltsame Portraitssammlung. Die Kunstwerke zitieren oder transformieren historische Persönlichkeiten und Selbstportraits. Angefertigt wurden sie in verschiedenen textilen Techniken als klassische Wandteppiche,  Jaquardweberei, Siebdruck oder mit digitalen Drucktechniken und -technologien.

Marianna Fenner-Derafsheh zeigte großformatige Webarbeiten. „Mit den Jahren kommt man beim Durchschauen zur Einsicht – vielleicht. Ich bin voll dabei.“ gab sie ihrer Ausstellung als Text mit.

Eva Lippert zeigte textile Bilder, auf denen viel zu entdecken war. Hier links die Dame mit dem Einhorn, eine Anspielung an die Tapisserien aus dem 15. Jahrhundert, die heute im Musée due Moyen Age in Paris hängen. Die „Seherin“ rechts erinnert mich dagegen an eine Tarot-Karte.

Dagmar Rober hatte im großen Saal des 4. Obergeschosses große Webteppich gehängt. Zu ihrem Stück „Kante mit Charakter“ schreibt sie: „Das älteste datierte Röllakangewebe in Schweden stammt aus dem Jahr 1710. Im Vergleich dazu findet diese Technik in Deutschland bereits im Mittelalter Anwendung.“ Zu dem Teppich „Rya in Weiß“ erklärt sie: „Rya-Gewebe sollte Schaffelle ersetzen und immitieren und war einst Teil der üblichen Bettausstattung. Man nimmt an, dass diese Technik zu den ältesten der Weberei gehört.“

Der gefilzte „Kokon Lebensweg“ von Annemie Koenen war lebensgroß und hatte Augen. Gut gefiel mir auch das Bild mit dem Titel „Zwischen Himmel und Erde“ mit der wilden Mähne.

Merit Markwort häkelt: einen ganzen Kopf mit grünen Haaren und Gesichtern, deren Haare die Blätter von Bäumen sind.

Jedes Jahr präsentiert Ingrid Wieland aus Berlin Arbeiten zu einem bestimmten Thema. In diesem Jahr waren es Quilts, in die afghanische Stickarbeiten eingearbeitet waren.

Das „Mixed-Media-Mosaik“ ist als interaktives Publikumsprojekt konzipiert.  Hier kann ich zwei Tafeln zeigen, auf denen die kleinen Quadrate angeordnet wurden, sowie ein paar besonders schöne Einzelteile. Das Team hofft sehr auf weitere Zusendungen des Publikums, um im nächsten Jahr ein noch größeres Mosaik zu zeigen.

Und zu guter Letzt noch ein paar besonders schöne farbliche Eindrücke. Ich bin sicher, im nächsten Jahr kann ich wieder so schöne Farben einfangen!