Reportagen

Bericht über einen Besuch in der Ausstellung „100 Prozent Wolle“ im MEK, Berlin

100 Prozent Wolle
05.11.2017 bis 23.06.2019
Museum Europäischer Kulturen 
© Foto: David von Becker

Wussten Sie, welch wichtige Rolle Spindeln in einigen deutschen Märchen spielen? Die Spindeln, mit denen man Faden spinnt? Gleich mehr dazu.

Seit dem 5. November 2017 und noch bis zum 23. Juni 2019 zeigt das Museum Europäischer Kulturen in Berlin ein Sonderausstellungsprojekt mit dem Titel „Komme was Wolle“ – in Kooperation mit dem Studiengang „Bühnenbild_Szenischer Raum“ der Technischen Universität Berlin .

In der Pressemitteilung heißt es: „Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) widmet sich mit „100 Prozent Wolle“ der Kulturgeschichte der Wollproduktion und -verarbeitung. Die Ausstellung zeichnet den Weg von der Rohwolle zum Faden nach und vermittelt verschiedene Techniken der Weiterverarbeitung – vom Spinnen und Weben über das Stricken und Häkeln bis hin zum Sticken. Die Ausstellung ist als intergenerationales Projekt konzipiert, das viele Zugänge anbietet: In jedem Raum stehen Orte der Begegnung, der gemeinsamen aktiven Erfahrung und des Austausches zwischen den Generationen im Mittelpunkt. Neben der Betrachtung von Objekten aus der Sammlung des MEK wie Spindeln und Webschiffchen aus allen Gegenden Europas können Schafwolle und Pflanzenfasern ertastet sowie ein übergroßes Schaf beklettert werden.“

Ich habe das große Schaf bestaunt, traute mich aber nicht recht darauf zu klettern. In eine große Jurte dagegen bin gern hineingegangen. Auch ein voluminöser Schäfermantel war zu sehen. Der hielt wahrscheinlich warm und auch bei Regen trocken.

Wirklich gut gemacht fand ich die kleinen Spielfilme, in denen darauf hingewiesen wurde, dass in mindestens drei deutschen Märchen die Spindel eine wichtige Rolle spielt: bei Dornröschen sticht sich die Prinzessin damit in den Finger, bei Rumpelstilzchen wird damit Gold gesponnen und bei Frau Holle schließlich ist die Spindel so wertvoll, dass die junge Frau in den Brunnen springt, um sie herauszuholen, als sie ihr aus der Hand rutscht.

„Zugleich können sich Besucherinnen und Besucher in verschiedendste Themenfelder vertiefen. Dazu gehören das Schäferleben und der Umgang mit Tieren, die Gewinnung von Wolle, die Verarbeitung und die Herstellung von Maschen bis hin zum Produkt. Alles kann selbst ausprobiert werden – mit Anleitung oder ohne. In einer offenen Werkstatt können jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr in gemeinsamen Workshops die Basics des Strickens, Häkelns oder Webens ausprobiert oder aufgefrischt werden. Alle Materialien sowie Wolle werden zur Verfügung gestellt.“

Wer allerdings so einen Strumpf stricken will, braucht viel Geschick und Erfahrung. Der Strumpf gehört zu einen bulgarischen Frauentracht und stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Im dem großen Raum stehen viele kleine Webrahmen, an denen man das Weben ausprobieren kann. Im selben Raum hängen hoch oben verschiedenste Kleidungsstücke und es hängen jeweils zwei Hörtrichter herab. Ans Ohr gehalten kann man sich auf Deutsch oder Englisch die Geschichte des jeweiligen Kleidungsstücks anhören, auch die Geschichte des gestrickten Hemds von Jürgen von der Lippe, das bei dem Stricker Horst Schulz in Auftrag gegeben wurde.

Leider kein Pressebild konnte ich von den Teppichen finden, die in einem weiteren Raum gezeigt werden. Bei dem Fischteppich aus Mecklenburg sehen die vielen dargestellten Fische auf den ersten Blick aus wie Paisley-Muster.

Ich zitiere noch einmal aus der Pressemitteilung: „Die Ausstellung bietet nicht nur historische Objekte, sondern spiegelt auch die Rolle der Handarbeiten in der aktuellen Populärkultur wider. Ein umstrickter Baum, der in einer Gemeinschaftsaktion im Laufe der Ausstellung vor einem der Ausstellungsfenster entstehen wird, greift so das popkulturelle Phänomen des urban knitting auf. Ein weiterer Bereich erläutert eine mögliche Zukunft der Schafwolle anhand von heute in Europa hergestellten Textilien aus fairer und ökologischer Produktion. Begleitend werden eigens für die Ausstellung gefertigte Schals und Schlüsselanhänger der irischen Manufaktur McKernan zum Verkauf angeboten.“

Seit dem 16. November 2017 lädt zudem eßkultur in der Arnimallee 23 jeden Donnerstag zum gemeinsamen StrickKAFFEE! bei Kaffee oder Tee und Kuchen ein.

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin
Öffnungszeiten
Mo geschlossen
Di, Mi, Do, Fr:  10:00 – 17:00 Uhr
Sa + So: 11:00 – 18:00 Uhr

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