Reportagen

Besuch bei der TEXTILE ART BERLIN – Online – 2. Teil

CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), quality = 100

78 Präsentationen bot die TEXTILE ART BERLIN online! Wie an Messeständen habe ich bei vielen Präsentation länger verweilt. Viele, aber nicht alle Anbieter und Anbieterinnen kannte ich von den Messen der vergangenen Jahre. Im Netz konnte ich ihre Bilder betrachten, vergrößern und alle Einzelheiten erkennen. Über Links konnte man auf die jeweiligen Websites wechseln.

Die „Baobab Schule für Handwerk und traditionelles Kunsthandwerk“ wird von Edith de Vos präsentiert. In dieser Schule lernen Schülerinnen unter anderem Wachs-Batiken, Nähen und Weben. Angeboten werden Produkte aus den Werkstätten, die für Deutschland inzwischen auf einem hochwertigen Niveau produziert werden. Ich freue mich darauf, die Stoffe im kommenden Jahr wieder anzufassen!

Der Rebozo, ein großes rechteckiges Tuch, gehört zur traditionellen Garderobe der mexikanischen Frauen. Die Tücher sind aus Baumwolle und werden auf pedalbetriebenen Webstühlen gefertigt. Bei einem Rebozo mediano (Länge ca. 1,90 x Breite ca. 65 cm) werden circa 3.200 Fäden verarbeitet, während der Rebozo grande (Länge ca. 2,20 x Breite ca. 75 cm) knapp 4.000 Fäden benötigt. Ist Stoff fertig gewebt, so werden die Spitzen verziert bzw. von Frauen aufwendig makrameartig handgeknüpft. Es entstehen dann die unvergleichlich raffiniert ornamentalen Spitzen des Rebozos. Mit dem Verkauf in Deutschland unterstützt Rebozo Ikat diese uralte Tradition, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.

Seit 2011 arbeitet Judith Singe eng mit kleinen Nähereien in Kwazulu-Natal Südafrika zusammen. Produkte wie handgeflochtene Telefondrahtkörbe in unterschiedlichen Farben, Mustern und Größen werden von geschickten Zulu-Flechterinnen und -flechtern in den Ausläufern der Drakensberge gefertigt. Des Weiteren werden von dem kleinen Betrieb Wezandla Crafts und der Kooperative Esigo Handworks (Pietermaritzburg) aufwendig gepatchte, bestickte und teils mit Rindsleder versehene Baumwolltaschen sowie Taschen aus Shweshwe-Stoff gefertigt.

Rita Zepf präsentierte Minituren, auf denen sie mit der Nähmaschine zeichnet. Ihr Markenzeichen sind die herabhängenden Nähfäden. In dem Interview, das ich 2017 mit ihr geführt habe, erfuhr ich: Ihre Arbeiten sind alle nach Fotos gearbeitet. Sie näht auf das farbig ausgedruckte Papier und schneidet dann gezielt einzelne Teile des Fotos weg. Die Motive sind grafisch reduziert.

Natacha Wolters hat nicht nur zusammen mit dem TAB-Team die TAB online organisiert, sie fand auch die Zeit, kunstvolle Schmuckunikate zu schaffen und Wandteppiche herzustellen. Hier zeige ich aber keine der meisterhaften Perlenarbeiten, für die sie bekannt ist, sondern zwei Arbeiten aus Stoff (mit Perlen), die mich fasziniert haben.

Am Tisch von Elsbeth Wiens bin ich in den vergangenen Jahren immer gern stehen geblieben. Ihre filigranen Gebilde erinnern mich an Korallen. Sie sagt selbst zu ihrer Kunst. „Durch meine eigene Technik der Nadelspitze aus Draht habe ich eine Möglichkeit gefunden, aus der Begrenzung der Ebene zur dritten Dimension zu gelangen. Die Gestaltung meiner Objekte lehnt sich an die Formensprache der Natur an.“

Stibe Uldal ist die Eigentümerin von HappyKnit ApS. Sie ist mir erstmals in Straßburg auf einer Messe begegnet und ich finde schön, dass man die Arbeiten auch in Berlin kennen lernen kann. Den schönen wollnen Schal von ihr habe ich den ganzen Winter gern getragen. Stibe entwirft und produziert die Modelle und Schals von HappyKnit in ihrer Werkstatt in Kopenhagen.

Lou Salamon ist eine junge Textildesignerin und Stickerin, sie benutzt Techniken und Kentnisse, die sich besonders für Stickereien für die Haute Couture eignen. Die Stickereien gestaltet sie nach eigenen Zeichnungen. Sie erschafft imaginäre Tiere, utopische wilde Universen und futuristische Hybriden.

Hier Filzarbeiten von Yvonne Zoberbier, die ich auch vor gar nicht langer Zeit interviewt habe. Zu ihren Werken sagt sie: „In meiner Arbeit interessiert mich vor allem der Mensch als Schöpfung an sich, mein derzeitiger Schwerpunkt liegt auf den Facetten des menschlichen Gesichts. Filz als Material ermöglicht es mir, feinste emotionale Regungen und Zustände instinktiv abzubilden. Die Farbe Weiß unterstützt dabei den Vorgang der Schöpfung – sowohl im künstlerichen Schaffensprozess als auch in seiner Abbildung.

Seit ungefähr 10 Jahren beschäftigt sich Sylvia Mahl mit Glasperlen. Zuerst nur, um Abendhandtaschen zu besticken. Dann fing sie an an, die verschiedenen Techniken zu lernen, die nötig sind, um Schmuck anzufertigen. Im Titel sehen Sie eine Halskette mit dem Titel „Dreieck in Rot“, bestehend aus Glasperlen. Nicht weiter schwierig zu erraten, warum ich gerade dieses Bild ausgewählt habe.

Annemie Koenen gründete vor 22 Jahren die „Wollwerkstatt Mutter Erde“.  Seitdem hat sie viele Menschen unterrichtet, viele große Arbeiten hergestellt, die Künstlerin in sich entdeckt und erforscht. Ihre große Liebe ist das sehr feine Sticken auf Filz. Man kann sich einen Film ansehen, in dem sie in englischer Sprache erzählt, wie sie die Filzerin geworden ist, die sie jetzt ist: https://youtu.be/qgBiwLjFUUQ

Zu guter Letzt noch schöne japanische Stoffe von kiseki, dem Shop von Dr. Juliane Reichenbach, die ich vor wenigen Wochen interviewt habe. Neben Stoffen aus Japan bietet sie auch Sashiko Garne, Zeitschriften und Bücher, antike Kimonos, Haoris und Obis.

Das war nur ein kleiner, sehr persönlicher Auszug aus 78 Präsentationen! In Kürze erfahren Sie hier, wie die Workshops abgelaufen sind, die ebenfalls angeboten wurden.